Kunsttagebuch

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01/2016

Das vergangene Jahr ging mit sehr vielen Projekten und Projektvorbereitungen zu Ende. So entstand eine längere Pause beim Schreiben des "Kunsttagebuch". In dieser Zeit ist ein neues Buch für die Reihe GRUNDKURS KUNST 1 (Schroedel) entstanden, eine völlig neue Konzeption aus Buch und drei weiteren Teilen, die im Internet im Kontext des Buches abrufbar sind. Ende April ist alles auf dem Markt. Daneben entstanden Materialien zu LUTHER 2017, "SEHwege zu Luther" für die Evangelische Akademie Sachsen-Anhalt, die demnächst digital im Netz und als Broschüre publiziert werden. Die Ausstellung "Les Fleurs animées" mit Grafiken von Grandville aus meiner Sammlung galt es vorzubereiten. Diese Ausstellung, die am 17. Januar eröffnet wurde, läuft mit überraschend großem Erfolg im Lapidarium der Orangerie des Schwetzinger Schlossgartens bis 24. April 2016. Begleitet wird dieses von mir kuratierte Ausstellungsprojekt durch ein museumspädagogisches Programm :

Die KünstlerInitiative Schwetzingen KIS e.V. zeigt seit Anfang des Monats März mit großem Erfolg die Ausstellung FLOWERS im Bahnhof:

Dazu kamen Vorträge, vor allem zu Cranach und der Reformation, u.a. Neue Projekte stehen vor der Tür, Einzelausstellung zum 70. Geburtstag in der Villa Meixner in Brühl (Oktober), Ausstellungsbeteiligungen in Heidelberg und Berlin.

Ostern hat das Hasenmuseum aus dem Winterschlaf erweckt, das inzwischen auch bei Facebook aktiv ist:

Im Münchner Hirmer-Verlag ist ein schönes und repräsentatives Buch über den Maler Werner Reinisch erschienen, zu dem ich einen Aufsatz beigesteuert habe:

Und: Seit einigen Monaten bearbeite ich regelmäßig meine eigene Facebook-Seite!

Der April begann mit zwei außerordentlichen Kulturerlebnissen, dem Besuch der Großen Hieronymus-Bosch-Ausstellung in s-Hertogenbosch aus Anlass des 500. Todestages des Malers und des faszinierenden Tanztheaters "Hieronymus B." im Theater Heidelberg. Wenn man in der Metropolregion Rhein.-Neckar lebt, ist das ein "MUSS". Die große Bosch-Ausstellung wandert Ende Mai nach Madrid in den Prado.

Erst jetzt traf ein großer Artikel zum "Göttlichen Langohr" ein, den der Münchener Merkur an Ostersamstag in seinem Magazin veröffentlichte.


05/2015

Im August war ich wie so oft in den vergangenen Jahren zum Arbeiten in der Papierwerkstatt von John Gerard in Hilberath/Eifel. Diesmal ging es um ein ganz besonderes Projekt, dem Schöpfen und farbigen Bearbeiten der Bögen für ein Künstlerbuch, das zur Frankfurter Buchmesse im Oktober dieses Jahres präsentiert werden soll. Es handelt sich um die Illustration des Gedichtes "Handfläche" von Rose Ausländer. 20 Exemplare entstehen in Zusammenarbeit mit John Gerard, die Texte werden von einem Kalligrafen geschrieben, dann kommt die Arbeit des Buchbinders und die Produktion eines Schubers. Auf das fertige Ergebnis bin ich sehr gespannt.

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Bei der Arbeit am Künstlerbuch "Handfläche" in der Werkstatt von John Gerard

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Der ganze September stand im Zeichen der Ausstellung "gARTen3" der Künstlerinitiative Schwetzingen KIS e.V. in der Orangerie des Schwetzinger Schlossgarten, die von mir kuratiert wurde. Mehr als 350 Besucherinnen und Besucher bei der Vernissage waren eine große Überraschung, der gute Besuch hielt an, am 27.9.2015 geht die Ausstellung zu Ende. Viele Besucher kamen aus der Metropolregion Rhein-Neckar, aber auch weit darüber hinaus. Sammler und Kunsthändler kauften, eine Arbeit (Skulptur) geht nach Shanghai. Eine gute Presse begleitete die Ausstellung unter dem Titel GESTALTen":

  
(Zeitungsartikel zum Vergrößern klicken)

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Vom 8.-10. September realisierte ich mit Viktor Sobek aus Leipzig, einem ehemaligen Studenten und angehenden Kunstpädagogen, ein dreitägiges Graffiti-Projekt mit Jugendlichen in Reilingen. Dort gibt es einen Vogel- und Tierpark mit einer großen Wand, die jetzt ein sehr gelungenes Wandbild mit Vögeln und einer phantastischen Baumlandschaft zeigt. Ein gelungenes Projekt, das von vielen Seiten großen Beifall bekam:

http://www.morgenweb.de/region/schwetzinger-zeitung-hockenheimer-tageszeitung/reilingen/bunte-fantasiewelt-auf-wand-gesprayt-1.2425735

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Nach dem Abbau der Ausstellung in der Orangerie geht es nach Lutherstadt Wittenberg. Seit mehreren Wochen arbeite ich an meiner "Wittenberger Kanzelrede" zum 500. Geburtstag von Lucas Cranach d.J. am Sonntag, 4. Oktober. Die Anspannung wächst...

EIN GEBURTSTAGSFEST FÜR LUCAS
Lutherstadt Wittenberg, 4. Oktober 2015, ab 10 Uhr

Der 4. Oktober steht ganz im Zeichen des 500. Geburtstages Lucas Cranach d.J.
Am Morgen um 10 Uhr beginnt der Tag in der Stadtkirche mit der Wittenberger Kanzelrede von Josef Walch "Kindheit, Väter und Söhne. Geburtstagsrede für Lucas Cranach den Jüngeren".
Zwischen 11:30 und 13 Uhr laden CranachCity, die Cranach-Stiftung und die Lutherstadt Wittenberg unter Anwesenheit des Oberbürgermeisters Torsten Zugehör kostenlos zu Kaffee und Kuchen an der Geburtstagstafel vor dem Markt 4 ein.
Weiter geht es ab 12:30 Uhr bis 19 Uhr mit einem Familienfest der Stiftung Luthergedenkstätten mit Live-Musik, speziellen Angeboten für Kinder und kulinarischen Köstlichkeiten im Lutherhof.

http://wege-zu-cranach.de/veranstaltungen/veranstaltung/article/ein-geburtstagsfest-fuer-lucas-411.html


04/2015

Eine der schönsten, interessantesten und besten Skulpturen-Ausstellung in Deutschland ist die alle zwei Jahre präsentierte Ausstellung "Blickachsen". Der Kurpark von Bad Homburg ist der Ausgangs- und Mittelpunktpunkt, aber auch die Burg Eppstein, Darmstadt, Eschborn, Frankfurt, der Hessenpark, das Kastell Saalburg, Kloster Eberbach und Kronberg sind Ausstellungsorte: "Blickachsen" ist eine im Rhythmus von zwei Jahren den ganzen Sommer über stattfindende Ausstellung zeitgenössischer Großskulpturen und Installationen internationaler Künstler/innen?in den historischen Parkanlagen Bad Homburgs v.d.Höhe. Titelgebend für die einzigartige Ausstellungsreihe sind die von Peter Joseph Lenné Mitte des 19. Jahrhunderts in der Gartenarchitektur des Bad Homburger Kurparks angelegten "Blickachsen". Jede neue Ausstellung bietet durch die behutsame Platzierung zeitgenössischer Werke unterschiedlichster Ausprägung in der historischen Umgebung neue Perspektiven auf die Werke selbst und auf den landschaftlichen und architektonischen Kontext. Dieses Erlebnis des Perspektivenwechsels ist das Leitmotiv des erfolgreichen Ausstellungskonzepts." (Blickachsen) Die Reihe der internationalen Künstler reicht von Sophie Ryder, David Nash, Robert Schad, Werner Pokorny, Auke de Vries, Franz Wst bis zu Erich Wurm. Meine "Lieblingsskulpturen": Die großformatigen Hasen-Figuren der Engländerin Sophie Ryder, wunderbar in den Gärten um das Kloster Eberbach aufgestellt. Die sehr gut gemachten Webseiten des Projekts geben einen Überblick über das ganze Programm:
http://www.blickachsen.de/root/index.php?page_id=562

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Skulpturen von Sophie Ryder in den Gärten von Kloster Eberbach
(Fotos: Josef Walch)

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Mit einer Lesung eigener Lyrik der Klasse 6 a des Gauß-Gymnasiums in der Hockenheimer Stadtbibliothek ging ein gemeinsames Projekt mit Hildegard Malyssek-Wirth zu Ende. Als Deutschlehrerin der Klasse hatte sie mit den Schülerinnen und Schülern Gedichte zum Thema „Nebel“ geschrieben. Den Schülerinnen und Schülern präsentierte und erläuterte ich Beispiele von illustrierten Büchern und Künstlerbüchern aus meiner Sammlung als Anregung und Beispiel für die eigene künstlerische Praxis, die eigenen, lyrischen Texte zu illustrieren. Bilder und Texte wurden vervielfältigt und mittels einer japanischen Bindung zu Büchern gebunden und gestaltet, die im Mittelpunkt der Lesung standen. Begleitet wurde die Lesung durch Musik und eine kurze Präsentation zum Thema Illustration und Künstlerbuch. Die HTZ berichtete über den Abend: Artikel HockenheimerTageszeitung

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In der Orangerie des Schwetzinger Schlossgartens ging am 26. Juli die Ausstellung des Malers und Zeichners Werner Reinisch zu Ende. Den heute 85-jährigen, in der Ardèche lebenden Künstler habe im Frühjahr dieses Jahres besucht und mich mit seinen Arbeiten in den vergangenen Monaten intensiv beschäftigt. Ein Artikel für Schwetzinger Zeitung beschriebt das faszinierende Leben und Werk des Künstlers:

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Bis Mitte Juli eine 7-tägige Radtour um die Seenplatte in Mecklenburg-Vorpommern, mit Start in Rheinsberg und Ziel in Rheinsberg. Es war eine wunderbare Reise durch faszinierende Landschaften, entlang kleiner Seen, durch schöne Wälder und weite Felder, oft in völliger Abgeschiedenheit und Ruhe. Neustrelitz, Waren, Malchow und Ludorf waren Punkte auf der Landkarte dieser Reise. Fast Pflicht: die Lektüre von Tucholskys Erzählung „Rheinsberg...“. Im Schloss von Rheinsberg ist ihm ein sehr schönes Museum gewidmet.

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Die kommenden Wochen werden durch die Vorbereitung der Ausstellung „Gestalten“ der KünstlerIntiative Schwetzingen KIS e.V. vom 3. – 27. September in der Orangerie des Schwetzinger Schlossgarten bestimmt sein. Hier schon einmal die Einladung:

 


03/2015
Seit mehreren Jahren gibt es künstlerische Projekte an Schwetzinger Schulen, in deren Rahmen Künstlerinnen und Künstler in den Schulen mit Lehrerinnen und Lehrern vor allem von Grundschulklassen kooperieren. Künstlerischer Kooperationspartner der Stadt ist die KünstlerInitiative Schwetzingen e.V., für die ich in den vergangenen drei Jahren das Projekt betreut habe.

"Beaux Jours - Beaux-Arts" und "Kunst im Kasten" waren die Themen der vergangenen beiden Jahre. Am Projekt, an dessen Ende eine Ausstellung steht, nehmen alle Schulen der Stadt teil, die Arbeit der Künstlerinnen und Künstler konzentriert sich vor allem auch die 3. Klassen der Grundschulen., aber auch das Gymnasium, die Realschule und Gemeinschaftsschule beteiligen sich an dem Projekt.

Ausgangspunkt des Projektes 2015 war das Jubiläum der Partnerschaft Schwetzingens mit der italienischen Festivalstadt Spoleto, ""Garten(T)räume" war das Thema. Eine Ausstellung in der VHS Schwetzingen präsentierte eine Vielfalt von Ergebnissen, die zeigen, welche Möglichkeiten es gibt, sich in künstlerischen Projekten mit diesem Thema auseinanderzusetzen: mit Künstlern wie Henri Rousseau, Henri Matisse, Paul Klee oder Pablo Picasso, mit fotografischen Arbeiten, Montagen und Collagen des berühmten Schwetzinger Schlossgartens, mit Motiven historischer arabischer Gartenteppiche, mit Skulpturen von "Kleingetier" aus Gärten, Malereien von Blumen und Pflanzen oder digitalen Verfremdungen und Collagen des berühmten Schwetzinger Schlossgartens.

Im Rahmen des Projektes ist es inzwischen üblich, dass die Stadt mit Motiven der Schülerarbeiten eine Reihe von großformatigen Fahnen produzieren lässt, die dann an wichtigen Orten das Stadtbild bestimmen. Das ist eine gute Werbung für solche Projekte, da die Fahnen und ihre positive, farbige, freudige Ausstrahlung auf viel Zustimmung stoßen. Ziel des Projektes war auch es auch, mit den Kindern Ideen und Vorstellungen zu entwickeln, wie sich die Außenräume der Schule, Höfe und Gärten durch künstlerisch gestaltete Objekte verändern lassen.

Ein Artikel aus dem Morgenweb/Schwetzinger Zeitung beschreibt das Projekt. Artikel hier ansehen.

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Fahnen an Plätzen der Stadt zeigen Schülerarbeiten aus dem Projekt "Garten(t)räume". (oben)

 

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Hommage à Rousseau: Wandmalerei der 3. Klasse Zeyher-Grundschule. (oben)


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Hommage à Matisse: Collagen der 3. Klasse Zeyher-Grundschule. (oben) 

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Gartenteppiche: 3. Klasse Südstadt-Grundschule. (oben)

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Entwurfsmodelle für einen Skulpturengarten: Nordstadt Grundschule. (oben)  

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Objekte, Neigungskurs Kunst: Hebel-Gymnasium. (oben)  

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Garten-Träume: Aquarelle 3. Klasse Hirschacker-Grundschule (oben)

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Nach relativ kurzer Vorbereitungszeit wurde in der Rathausgalerie der Stadt Hirschberg /Bergstraße die Ausstellung "Papier-Gesänge" am eröffnet. Es ist eine gemeinsame Ausstellung mit der Künstlerin Elfi Pflumm, deren Arbeiten ich seit langem kenne und schätze. Ihre Arbeiten sind im Bereich der "Spurensicherung" und "Arte povera" einzuordnen, meine Arbeiten bezeichne ich als "Paper Art", gegossene, montierte, farbige Papiere und Papierskulpturen. Die regionale Presse berichtete ausführlich über diese Ausstellung:

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Wilma Mencke vom Kunstbureau Albion Putti, Groningen (NL), die auch im ostfriesischen Weener einer Galerie unterhält, hat 14 Künstlerinnen und Künstler zu einer Ausstellung "Typisch Deutsch" eingeladen. In Wohnungen und auf zwei Schiffen rund um und im Hafen von Weener werden die Projekte präsentiert. Mein Beitrag beschäftigt sich mit zwei typisch deutschen "Figuren", dem Gartenzwerg und dem Schäferhund. Auf einem Schachbrett begegnen ein großer Schäferhund aus Porzellan, 7 kleine Gartenzwerge und 10 kleine Schäferhunde:

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In den Niederlanden trifft die Ausstellung auf ein großes Interesse, ein ganzseitiger Artikel in DN Daagblad Norden informiert über das Projekt:

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Die Diskussion über das TTIP-Abkommen um die größten Freihandelszone der Welt , das von der Europäischen Kommission mit der amerikanischen Regierung verhandelt wird, bewegt die Öffentlichkeit, auch wenn nur einen viel zu geringen Teil davon. Der Großteil der Bevölkerung ist (leider) uninformiert. Die Verhandlungen um das Abkommen bewegen vor allem aber Kulturschaffende, Künstlerinnen und Künstler, TTIP, so der Deutsche Kulturrat, gefährdet die für Deutschland und Europa einzigartige kulturelle Vielfalt und ihre vielfältigen öffentlichen Förderinstrumente für die Kultur. In den Entwürfen für das Abkommen wird Kultur zur Ware, Bildung nur noch als Dienstleistung unter Marketinggesichtspunkten gesehen. Auf den Webseiten des Deutschen Kulturrates finden sich zahlreiche Information zu TTIP, dem Stand der Verhandlungen und dem Protest dagegen:

Am 21. Mai 2015 gab es bundesweite Demonstrationen von Kulturschaffenden aus allen Bereichen und TTIP-Gegnern, auch in der Metropolregion Rhein-Neckar. Vom Berliner Platz in Ludwigshafen führte der Demonstrationszug über die Rheinbrücke nach Mannheim zum Schiller-Platz, ein bunter, fröhlicher Zug, der seinen Abschluss in Mannheim mit Kabarett und Musik fand.

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5 Tage in Venedig in der ersten Juni-Woche zur 120. Biennale. 1895 fand die erste Biennale statt, Fritz von Uhde und Adolph Menzel wurden damals u.a. im Deutschen Pavillon präsentiert. 1968 war ich als Student der Karlsruher Kunstakademie zum ersten mal in Venedig, damals wurden Horst Janssen, Richard Oelze und Gustav Seitz gezeigt. Meine Erinnerung geht zurück an bedeutende – neben vielen eher unbedeutenden Präsentationen der Bundesrepublik – , so 1972 an Gerhard Richters "Achtundvierzig Porträts" (1971/1972), an Beuys' "Straßenbahnhaltestelle" (1976), an die Begegnungen der BRD- mit der DDR-Kunst 1982 und 1984, an Hans Haackes "Germania" 1993 oder Gregor Schneiders "Totes Haus ur" 2001. Um alle deutschen Beiträge dieser Jahre gab es auch immer kulturpolitisch Diskussionen.

"All the Worlds Future" ist der Titel, das Thema diesjährigen Biennale, die von Okuwi Enwezor kuratiert wurde, der dies mit "Lage der Dinge" übersetzt. Inzwischen ist es unmöglich bei der Ausweitung der Biennale ins Gelände und die Bauten des Arsenale und viele Palazzi der Stadt sich an 5 Tagen einen auch nur einigermaßen umfassenden Überblick zu verschaffen. Wahrscheinlich bräuchte man allein 3 Tage von morgens bis abends um in Ruhe (!) sich alle Videofilme anzuschauen, die an den verschiedenen Orten gezeigt werden: "Hier in Venedig kann es dieser Tage vorkommen, dass einem die Kunstplötzlich über wird", so Samuel Herzog am 9.5.2015 in der NZZ, "Zum 56.Mal verwandelt sich die Stadt in so etwas wie einen Bienenstock der Kunstwelt – und wer irgendetwas erreichen möchte in diesem Betrieb, der brummt herbei.

Dass die Waben fast zerbersten, hat nur am Rande damit zu tun, dass sich viele selbst für die Königin halten. Es rührt vielmehr daher, dass hier mehr Pollen eingetragen werden als irgendwo sonst: So viel zeitgenössische Kunst wie La Biennale bringt keine andere Veranstaltung dieser Art zusammen. Die von Okwui Enwezor kuratierte Hauptausstellung vereint etwa 700 Werke von 140 Künstlern. Hinzu kommen neunzig Länderpavillons, zahllose Kollateral-Events und weitere Ausstellungen und Performances, Interventionen, Travestien... Man könnte den ganzen Sommer hier verbringen – und hätte wohl immer noch nicht alles gesehen."

Also: Mann/Frau haben sich im Vorfeld informiert, wählen aus, versuchen möglichst viel zu "scannen": "Ich sage immer, man kann die Venedig-Biennale nicht sehen, man muss sie scannen", so Enwezor in einem Interview mit der Kunstzeitschrift art. Man macht sich zunächst an "die Arbeit", das Konzept nachzuvollziehen oder zu finden und sich über "Die Lage der Dinge" ("All the World's Futures"). Für das Konzept musste Enwezor massive Kritik einstecken, so u.a. von Hanno Rauterberg in der ZEIT (s. Link) Rauterberg schreibt in der ZEIT: "Wohl noch keiner Biennale ist es so schön gelungen, die Lebenslügen der Gegenwart, ihre unerträgliche Heuchelei, anschaulich ins Bild zu setzen wie dieser.

Sogar die Chopi Chopi, eine der berühmtesten Superjachten der Welt, hatte vorige Woche in Sichtweite der Kunstpavillons festgemacht, 80 Meter lang und 80 Millionen Euro teuer, erworben von dem libanesischen Multimilliardär Nadschib Mikati, einem guten Freund von Baschar al-Assad, dem syrischen Präsidenten. Wie auf all den anderen Superjachten, die in Venedig vorbeischauten, sah man auch hier, wie die Passagiere des Morgens die Gangway herabkamen, um lockeren Schritts, in Gucci oder Prada gewandet, zur Biennale zu gelangen, vorbei an all den Flüchtlingen, die entlang des Weges mit Sonnenbrillen und gefälschten Gucci- oder Prada-Handtaschen ein kleines Geschäft zu machen hoffen. Selbstverständlich ließ man sich in Ruhe. Schließlich gehört es zu jedem Chopi-Chopi-Dasein dazu, die reale Not wohlwollend übersehen zu können oder sie sogar zu genießen." Und: "...Damit aber treibt Enwezor sein Konzept des offensiven Selbstwiderspruchs in hoffnungslose Langeweile. Wenn nichts richtig und nichts unrecht ist, dann hat die Kunst endgültig jeden Nimbus verloren. Dann ist sie nur noch Macht- und Geldkulisse. Rolls-Royce, bitte übernehmen Sie!"

So ist diese Biennale auch ein wunderbarer Beleg für die Thesen im Buch Metz, Markus/Seeßlen, Georg: Geld frisst Kunst – Kunst frisst Geld – Ein Pamphlet. (edition suhrkamp 2675, Berlin 2014, s. Kunsttagebuch 1/2015) Wem es bei der Biennale langweilig wird, dem bleibt die Stadt, und Venedig ist auch nach langen Jahren niemals langweilig. So kann man Venedig auch literarisch erforschen, mit dem spannenden Buch von Birgit Haustedt "Mit Rilke durch Venedig: Literarische Spaziergänge" (insel taschenbuch).

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02/2015
Ostern ist vorbei, die Hasen sind wieder im Stall. Wie alle Jahre: Eine große Nachfrage bei den Medien zum Hasen, Osterhasen, Deutschen Hasenmuseum. Zwei Beiträge des Südwestrundfunks sollen hier stellvertretend für andere stehen:

Mitte März eine Woche in Lutherstadt Wittenberg zur Vergabe des "Internationalen Lucas Cranach Preis 2015" am 17.3.2015. Als Mitglieder der Jury galt es im Februar 2015 mehr als 600 eingereichte Arbeiten anzuschauen und zu bewerten. 60 Arbeiten wurden dabei für die Ausstellung ausgewählt, nun wurden die Preisträger bestimmt und die Preise vergeben:

Die Lutherstadt Wittenberg nennt sich dieses Jahr "Cranach-City", in zahlreichen Ausstellungen wird im Vorfeld des Reformationsjahres 2015 das Werk von Lucas Cranach d.Ä. und Lucas Cranach d.J. neu bewertet, die Leistung dieser bedeutenden Künstlerwerkstatt der Renaissance im Kontext der Verbreitung reformatorischer Lehren und des Image von Martin Luther völlig neu eingeschätzt. Die Kühnheit und künstlerische Innovation der Werke beider Cranachs wird gefeiert. Am 4.10.2015 feiert Lucas d.J. seinen 500. Geburtstag, mir ist die "Ehre" zugefallen, aus diesem Anlass in der Stadtkirche zu Wittenberg die Geburtstagsrede für Lucas d.J. als "Wittenberger Kanzelrede" zu halten:

Seit Februar bin ich mit einem Vortrag zur Cranach-Werkstatt und ihrer Bedeutung für die Reformation unterwegs. "Bild und Botschaft: SehWege zu Luther", so das spannende, äußerst aktuelle Thema:

Seit Mitte April: Vorbereitung für eine Ausstellung gemeinsam mit Elfie Pflumm in der Rathausgalerie Hirschberg. Vernissage wird am 15.5.2015 sein. "Material-Gesänge" ist der Titel der Ausstellung. Hier die Einladung hier als PDF.


01/2015
Seit der Dokumenta 5 (Kassel 1972) war ich vom Gedanken des Künstlermuseums fasziniert, von Marcel Broodthaers "Adlermuseum", Claes Oldenburgs "Maus Museum" oder Daniel Spoerris "Musée Sentimental". Zu der Kategorie des Künstlermuseums gehört für mich auch der berühmte Koffer von Marcel Duchamp "Boîte-en-Valise (Schachtel im Koffer)" aus dem Jahr 1941. Vor mehr als 10 Jahren begann ich systematisch zu sammeln, um mein Künstlermuseum, das "Hasen-Museum" aufzubauen. Ein großer Teil der Sammlung ging vor einigen Jahren als Stiftung an die Stadt Eppelheim. Dort ist heute das "Deutsche Hasenmuseum" im historischen Wasserturm zu sehen. Das Museum hat inzwischen einen weiten Bekanntheitsgrad, sehr viele Zeitungsartikel, Medienbeiträge in Form von Interviews oder Fernseh-filmen, Ausstellungen und Leihgaben an andere Museen sorgten und sorgen dafür. Fast automatisch wurde ich zum "Hasen-Experten", der vor allem in den Wochen vor Ostern in den Medien gefragt ist. Schließlich haben die Schokoladenosterhasen den Schokoladen-nikoläusen den Rang abgelaufen. Aber manchmal sorgen prominente Menschen dafür, dass die Hasen und Karnickel in das Licht der Öffentlichkeit gelangen, so zuletzt Papst Franziskus. Danke Franziskus! Katholisch zu sein bedeutet nach Meinung von Papst Franziskus nicht, sich unkontrolliert fortzupflanzen, so SPIEGEL ONLINE: "Manche Menschen glauben – entschuldigen Sie den Ausdruck –, dass sich gute Katholiken wie Karnickel vermehren müssen", sagte der Papst mit Bezug auf das Verbot von Verhütungsmitteln in der katholischen Kirche auf dem Rückweg von seiner Asienreise. HR 2 nahm für seine Sendung "DER TAG" dieses Franziskus-Zitat auf und produzierte eine sehr schöne, interessante Sendung zum "Karnickel", die am 21.2. gesendet wurde: "Franz von Assisi sprach bekanntlich mit den Tieren, der Papst, der sich den Namen des Heiligen borgte, spricht über die Tiere. Und vergleicht sie dann auch noch mit den Menschen. Die Katholiken müssten es ja nicht wie die Karnickel treiben, sagte der Heilige Vater auf dem Rückflug von den Philippinen – auf die Familienplanung angesprochen. Wir hören die Botschaft – und sind verstört. Was sollen die Katholiken nicht? Und warum nicht wie die Kaninchen? Was ist falsch am Tun, am Leben der Kaninchen? Sind sie nicht mindestens so erfolgreich wie wir beim Besiedeln der Erde? Haben sie nicht alle Nachstellungen überlebt? Und sind es nicht sie, von denen die Biologen sagen, sie werden auch die kommenden Katastrophen überleben - selbst die, die wir Menschen über sie bringen? Katholiken eingeschlossen?" (Quelle: © hr, 21.01.2015)

Am 20.2. erreichte mich bei einer Winterwanderung in Graubünden im Tal des Lichts (Valsertal) ein Anruf der Hessischen Rundfunks mit der Bitte um ein Interview, über die Ikonografie des Hasen, das dann am 21.2. life bei "DER TAG" über den Sender ging. Als Podcast nachzuhören:
http://www.hr-online.de/website/radio/hr2/index.jsp?rubrik=14224&mediakey=podcast/
derTag/derTag_20150121_58117570&type=a&key=
standard_podcasting_derTag


Vom 17.-19.2.2. in Werne auf Einladung des dortigen Kunstvereins. Zunächst steht der Vortrag über die Cranach-Werkstatt und deren Bedeutung für die Verbreitung der Ideen Luthers und des Programms der Reformation auf der Tagesordnung (»PDF).

Werne verfügt über ein schönes Museum, das jährlich eine Osterausstellung zeigt. Vor zwei Jahren waren dabei auch Leihgaben aus dem Eppelheimer Hasenmuseum zu sehen. Der Kunstverein organisierte für diese Ausstellung zwei künstlerische Projekte mit Schülern des Werner Anne-Frank-Gymnasiums zum Thema "Hasen". Bei solchen Projekten ist inzwischen das Hasen-Koffer-Museum ein steter Begleiter. Die ca. 200 Originalobjekte sind hervorragende Vermittlungsmedien zur Kunst- und Kulturgeschichte des Hasen, die immer wieder die Betrachter in ihrer Vielfalt faszinieren. In einer 6. Klasse entstehen surreale Collagen auf der Basis vergrößerter, historischer Osterpostkartenmotive, in einer 8. Klasse "Funky Rabitts", verrückte, tanzende Hasen als Objekte. Die Arbeiten werden in der Osterausstellung des Werner Museum gezeigt werden.

Surreale Hasen-Collage ( Schülerarbeiten Klasse 6 Anne Frank Gymnasium Werne):

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Das Hasen-Koffer-Museum als Vermittlungsmedium...:

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Funny Rabitts (Objekte/Schülerarbeiten Klasse 8 Anne-Frank-Gymnasium Werne):

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Mit großem Medien-Aufgebot kündigt sich die art KARLSRUHE vom 5. - 6. März an. Schon am 10. Februar wurde bei einer Pressekonferenz in der Kunsthalle Karlsruhe die Kataloge der art vorgestellt. Gleichzeitig gerät das Thema Kunstmarkt aber immer mehr in die Medien, nicht zuletzt durch den aktuellen, wohl auch spektakulären Betrugsprozess gegen den Kunstberater Helge Achenbach vor dem Landgericht Essen, den DIE ZEIT ein "Sittenbild des Kunstmarkts" nennt und schreibt: "Ein Prozess der süchtig machen kann: Glanz und Abgründe des Kunstmarkts, ein Epos über Geld und schöne Bilder, Freundschaft und Täuschung, berühmte Künstler und reiche Unternehmer". (DIE ZEIT, 15.2.) Fast parallel zu diesem Prozess ist ein interessantes, kritisches und spannenden Buch zu diesem Thema erschien, "Geld frisst Kunst - Kunst frisst Geld" von Markus Metz und Georg Seeßlen, das der Verlag so ankündigt: "Dass die bürgerliche Emanzipation der Kunst von Kirche und Adel keineswegs nur Autonomie, sondern auch einen paradoxen Markt des Unmarktförmigen mit eigenen Herr/Knecht-Verhältnissen hervorgebracht hat, ist nichts Neues. Doch mit der Herausbildung einer globalisierten Kunstbörse erhält diese Dialektik eine neue, durch immer krudere Kurzschlüsse von Kunstgeld und Geldkunst geprägte Qualität. Markus Metz und Georg Seeßlen kartographieren, analysieren und kommentieren diese Entwicklung in den Werken, Institutionen, Diskursen und Akteuren der Gegenwartskunst - und kontern mit der Gegenfrage: Wie und wo kann Kunst trotz allem mehr sein als die schickste Form der Steuerhinterziehung?" (Suhrkamp Verlag):

Metz, Markus/Seeßlen, Georg: Geld frisst Kunst - Kunst frisst Geld - Ein Pamphlet. edition suhrkamp 2675, Berlin 2014. Broschur, 496 Seiten?ISBN: 978-3-518-12675-2

Einer der beiden Autoren, Georg Seeßlen, hat DER ZEIT ein ausführliches Interview zum Thema gegeben: "Wenn einige Superreiche Lust haben, ihre Gemälde für immer noch ein paar Millionen Euro mehr hin und her zu schieben, ist das sicherlich nicht das Problem. Problematischer ist, dass der überhitzte Kunstmarkt die allgemeinen Vorstellungen vom Wert der Kunst verändert. Die Frage, was Kunst ist, wird immer häufiger nur in Dollarzeichen beantwortet. Das Geld hat sich eine Definitionsmacht über die Kunst geschaffen. Dadurch geht die Kunst ausgerechnet jenen Menschen verloren, die diese gut brauchen könnten, um ein wenig Glück zu erfahren."

http://www.zeit.de/2014/35/georg-seesslen-kunstmarkt

Die art KARLSRUHE wird wahrscheinlich wieder den Glanz des Kunstmarkts vermitteln, nach dem Motto: gesehen und gesehen werden. Mal sehen...